Kapitel 1
Baubeschreibung
Slowfly Acrobat
Kapitel 2
Baubeschreibung
Slowfly Acrobat
Kapitel 3
Baubeschreibung
Slowfly Acrobat
Kapitel 4
Baubeschreibung
Slowfly Acrobat

Kapitel 3: Der Flügel (bestehend aus Kohlefaserstäben, Aluminiumrohr, Perlonschnur und Drachentuch)

Bevor ich mit der Beschreibung des Flügels beginne, hier noch ein paar Worte zu der Bespannung der Tragfläche und des V-Leitwerks: einer der Hauptgründe, warum ich diesen Slowflyer Typus so stark bevorzuge, ist das Bespannmaterial mit seiner extremen Festigkeit und seinen leuchtenden Farben. Allerdings sollte man sich schon gut auskennen mit den unterschiedlichen Materialien und deren Eigenschaften bei starken Temperaturschwankungen. Letzteres interessiert den Drachenbauer eigentlich weniger, für den Flugmodellbauer aber entscheidend. Was wollen wir eigentlich? Nun, wir wollen eine Folie mit geringem Leistungsgewicht, wasserabweisend, raue Oberfläche, klebbar mit Sekundenkleber und das Wichtigste: die Folie muss beim Bügeln schrumpfen, sich also spannen lassen! Unter den vielen Herstellern habe ich nur eine Firma gefunden, die unseren Belangen voll gerecht wird. Die Firma Wolkenstürmer vertreibt dieses Material. Drachentuch ICAREX, Spinnaker Polyester / 32 Gramm/M². Ich bin immer noch auf der Suche einer solchen Folie unter 20 Gramm/M². Ich bitte mich zu informieren, falls so etwas im Handel erhältlich ist.
Sie werden sich fragen, warum ich nicht normale Bügelfolie verwende? Bei Holzflächen jederzeit, keine Frage! Bei gebogenen 2 mm Ø Kohlefaserstäben, die unter sehr hoher Spannung stehen, auf keinen Fall! Gebogene Karbonstäbe zerplatzen bei Hitze. Es wird also nur zwischen den Stäben gebügelt. Geklebt wird vorher. Auch erzeugt die rauhe Oberfläche sehr gute Langsamflugeigenschaften, für Slowfly äußerst wichtig!

Der Flächenbau:
Zunächst ein weiteres Baubrett besorgen. Ca. 300 x 300 mm oder größer. Viele Baumärkte verschenken solche Platten als Holzabfall an Bastler. Auf dieses Brett werden zwei Leisten geklebt oder geschraubt. Stärke: 10 x 10 oder 10 x 20. Was man gerade preiswert bekommt. Auch in diesem Fall: Abfalleisten sind in Ordnung. Die Leisten auf eine Länge von 240 mm kürzen und im Innenabstand von 260 mm mit dem Baubrett verbinden. Die Leisten müssen einseitig mit dem Baubrett abschließen. Der erste 2 mm Ø Kohlefaserstab mit der Länge von einem Meter wird nun vorsichtig gebogen und zwischen die beiden am Baubrett befestigten Leisten geklemmt. Er wird soweit nach hinten geschoben, bis beide Enden mit den Holzleisten bündig abschließen. Einen weiteren Kohlefaserstab von 1.2 mm Ø auf 280 mm kürzen. Nun den 280 mm langen Stab auf den gebogenen 2 mm Stab legen und bis zum Anschlag an die Holzleisten schieben. Auf jeder Seite sollte der 1.2 mm Stab 10 mm überstehen. Mit etwas Sekundenkleber beide Stäbe auf beiden Seiten miteinander verkleben. Eine Nacht lang warten! Auch Sekundenkleber muss an solchen Kreuzverbindungen lange abbinden. Den gebogenen Kohlefaserstab vorsichtig um ca. 15 mm parallel nach vorne ziehen. Die Kreuzverbindungen mit einzelnen Kohlefasern oder Zwirnsfaden in mehreren Lagen umwickeln und jede Lage mit Sekundenkleber tränken. Warten, bis auch diese Verbindung gut durchgehärtet ist. Den fertigen Kohlefaserstab herausziehen und einen weiteren Teil auf gleiche Weise anfertigen. Den ersten fertigen Teil von der Rückseite zwischen die Holzleisten schieben, sozusagen in Warteposition.

Flügelmittelteil (Tragflächenhalter):
Der Flügelmittelteil besteht zunächst wieder aus dem schon bekannten 4 mm Ø Kohlefaserrohr, gekürzt auf eine Länge von 252 mm. Weiter werden aus dem 6 mm Ø Aluminiumrohr zwei Hülsen in der Länge von 12 mm gefertigt. Beide Hülsen werden im rechten Winkel mit einem 3 mm Ø Bohrer durchbohrt. Abstand zum Hülsenende 5 mm. Weiterhin werden 2 Aluminiumröhrchen mit 3 mm Außendurchmesser auf 22 mm gekürzt, durch die Bohrungen gesteckt und anschließend mittig verklebt. Beide Hülsenteile werden nun mit dem längeren Ende auf das 4 mm Ø Kohlefaserrohr bis zum Anschlag geschoben. Vorher die Hülsen von innen mit UHU plus einreiben. Durch die 3 mm Aluminiumröhrchen jeweils einen langen 2 mm Ø Kohlefaserstab stecken und beide auf einer Tischplatte parallel zueinander fixieren. UHU plus durchhärten lassen. Einen der beiden langen Kohlefaserstäbe wieder herausziehen. Das Ende mit dem langen Kohlefaserstab in den Schraubstock spannen und im 90° Winkel dazu den "Halteschlitz" feilen, 2 mm breit und 2.5 mm tief. Hierbei bitte sehr große Sorgfalt walten lassen! In diese Halteschlitze fassen später die 2 mm Rumpfflächenhalter. Sie sollen stramm sitzen, das heißt der Flügel soll im eingeklemmten Zustand nicht wackeln und er soll waagerecht sitzen. Eine saubere Passung also. Anschließend den zweiten Halteschlitz auf der Gegenseite einfeilen. Beide Schlitze müssen parallel zueinander stehen. Nun beide Flügelhälften mit UHU plus einreiben und in das Flügelmittelteil schieben. Den Flügel auf einem Baubrett oder einer geraden Tischplatte a usrichten und den Kleber aushärten lassen.

Bespannen des Flügels:
Zunächst wird das Drachentuch ICAREX ausgerollt und der unbespannte Flügel daraufgelegt. Etwas überstehend wird nun das Drachentuch mit einer Schere ausgeschnitten. Da der Tragflächenhalter etwas dicker als der Rest der Fläche ist und somit der gesamte Flügel nicht plan aufliegt, wird erst eine Flügelhälfte bespannt. Wir schieben diese Flügelhälfte mit dem Drachentuch darunter auf einem Baubrett oder planen Tisch solange hin und her, bis die Flächenmitte mit der Brett- oder Tischkante abschließt und das Drachentuchmuster parallel zur Fläche verläuft. Der Tragflächenhalter muss frei schweben und darf nicht aufliegen. Nun das Flächengestell mit Gewichten beschweren, so dass es leicht auf das Drachentuch gepresst wird. Dickflüssiger Sekundenkleber wird anschließend von außen an dem Kohlefaserstab entlanggezogen. Der Kleber saugt sich über Stunden langsam zwischen Kohlefaserstab und dem Drachentuch. Über Nacht durchhärten lassen. Am nächsten Tag die Fläche drehen und die zweite Hälfte kleben. In der Mitte der Fläche das Drachentuch an beiden Enden des Flächenträgers schräg einschneiden, so das jeweils ein Dreieck des Drachentuchs herausfällt. Das überstehende Tuch abschneiden und die Kanten mit dem Messer schaben oder verschleifen. Der fast fertige Flügel muss nun noch gespannt und gebügelt werden. Das Spannen erfolgt am besten mit festem Zwirn oder sehr dünner Nylonschnur. Auf alle Fälle sind vier Hände nötig. Erst wird eine Öse geknotet. Der Faden wird an dem ersten überstehenden Kohlefaserstab eingehängt, parallel zur Fläche entlanggeführt und um den zweiten überstehenden Kohlefaserstab herumgeschlungen. Weiter zur Flächenmitte gezogen, im scharfen Winkel zurück zum anderen Ende des selbigen Kohlefaserstabes. Die Fläche stark durchgebogen wird die Läge des Fadens festgelegt und am Ende eine neue Öse geknotet. Der Flügel sollte so stark gebogen sein, das jede Seite gut 130 mm hoch steht. Den fertigen Faden wieder abnehmen und einen zweiten Faden in der gleichen Länge anfertigen. Beide Fäden wieder einsetzen und somit den Flügel komplett spannen. Achtung: Es ist darauf zu achten, dass sich später die Bespannung auf der Oberseite des Flügels befindet. Auch beim V-Leitwerk!
Mit zwei weiteren Fäden wird nun das Profil in die Fläche gespannt! In diesem Fall unter der Fläche und natürlich auf beiden Seiten. Das Profil ist richtig gespannt, wenn sich zwischen Faden und Fläche an der tiefsten Stelle ein Abstand von 25-30 mm ergibt. Da die beiden oberen Hauptfäden sich in der Flächenmitte treffen und einmal umschlingen, ist dies der Drehpunkt der Fläche! Man kann und muss die Fläche solange in sich verdrehen, bis kein Verzug mehr zu sehen ist. Dann können beide Fäden im Fadenkreuz mit Sekundenkleber verschweißt werden.

Bügeln der Fläche:
Die nun fast fertige Fläche muss zum Schluss noch gebügelt werden. Sehr vorsichtig bügelt man mit einem teflonbeschichteten Bügeleisen zwischen Fäden und den Kohlefaserstäben hin und her und spannt somit das Drachentuch. Die Bügeleisentemperatur auf Leinen stellen. Also sehr heiß. Vorsicht: Die Hitze des Bügeleisens nicht auf die Kohlefaserstäbe einwirken lassen. Sie würden platzen! Wenn das Drachentuch gleichmäßig gespannt, ist der Flügel endlich fertig.

In der gleichen Weise mit den beiden V-Leitwerksteilen verfahren. Erst die V-Leitwerksteile auf das Drachentuch kleben, ausschneiden und anschließend verschleifen. Dann zwischen den Kohlefaserstäben bügeln.

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