Slowflyer heute
- und warum?

Slowflyer heute - und warum?

In der heutigen Zeit könnte man die Modellfliegerei in vier Kategorien aufteilen.

  1. Modellfliegen aller Art mit Verbrennermotoren. Diese Modelle sind relativ laut und brauchen viel Platz, d.h. hier muss man einem Verein beitreten der seinen Platz zur Verfügung stellt und ein Auto für den Transport wird zwingend erforderlich. Für die meisten Jugendlichen ein unerreichbares Ziel.
  2. Modellfliegen aller Art mit Elektromotoren. Kann eigentlich „fast“ überall betrieben werden, wo Platz ist und niemand gefährdet oder gestört wird. Wenn man allerdings vom Boden aus starten und landen will, also ein Fahrwerk benutzt, ist man auch hier wieder meistens auf ein Vereinsgelände angewiesen.
  3. Das Hangfliegen. Es den Vögeln gleichzutun, den Wind als ewige Energiequelle ausnutzen zu können ( wenn er dann auch da ist ) war schon immer ein Traum des Menschen. Nun wohnt nicht jeder Modellflieger in der Nähe von Hängen und Bergen um diese Möglichkeit ausnutzen zu können. Vielleicht einmal im Urlaub, wenn die Familie mitspielt. Also immer nur ein kurzer Traum für einen Flachländer.
    Was überig bleibt, ist Punkt 4!
  4. Slowflyer und natürlich mit Elektromotor angetriebene Modellhubschrauber.


Slowflyer

Dank vieler Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Mikroelektronik gibt es heute zum Beispiel bei Funkfernsteuerungen, Empfänger, Servos, Autopiloten, E-Motoren und Akkus revolutionäre Neuheiten. Dieses bezieht sich auf die Verhältnisse Größe, Gewicht und Leistung.
Nach 9 Monaten intensiven Trainingsflügen mit verschiedenen Slowflyermodellen kann ich wohl bestätigen, dass diese Art des Modellfliegens für viele einen besonderen Reiz ausüben muss.

Grund: Mit Slowflyern (nicht zu verwechseln mit Parkflyern) lässt es sich zuhause im "grossen" Garten, am Wochenende oder abends auf Supermarktparkplätzen ganz hervorragend fliegen, d.h. es wird nur sehr wenig Platz benötigt und diese "Start- und Landebahnen" wären auch für Jugendliche per Fahrrad leicht erreichbar. Meistens fliegt man abends, weil dann der Wind abgeflaut ist. Windstille ist am besten. Das eigentlich interessanteste Fliegen ist das in der Sporthalle. Eigentlich sollten alle Schulen oder Freizeitcenter ihre Hallen für diese Sportart zur Verfügung stellen. Ich habe das Glück und die Gelegenheit, als Gastflieger des Luftsportvereins Achim jeden Sonnabend in einer recht grossen Sporthalle fliegen zu dürfen. Es ist schon erstaunlich, wie präzise sich Flugmodelle lenken lassen wenn sie nicht durch Wind beeinflusst werden. Da lassen sich Start- und Landemanöver durchführen, wie man sie eigentlich nur von Großflugzeugen her kennt. Man kann die Fußbodenbemalung einer Turnhalle gut als Start- und Landebahn benutzen und auch das Einhalten einer permanenten Flughöhe von vielleicht einem Meter trainiert sehr stark. Im Moment übe ich zum Beispiel sauberes Fliegen in einer Ecke der Halle, ca. 6 x 6 Meter im Quadrat. Eine gute Konzentrationsübung. 10 min durchgehend fliegen und man ist leicht am transpirieren. Wenn einem der Sender langsam aus den schweißnassen Händen gleitet und das Modell scheppernd gegen die Wand kracht, merkt man erst, dass hier eine gewisse Selbstüberschätzung im Spiel war.

Fazit: Ein sehr kostengünstiges Hobby! Die Modelle können aus Depron oder Balsaholz für unter DM 20,- gefertigt werden (Funkfernsteuerung, Motor und Akku natürlich nicht eingeschlossen). Sehr geringer Platzbedarf! Flugplätze nahezu überall und schnell erreichbar! Gutes Training für Geist und Seele. Wie heisst es doch so schön: Nur Fliegen ist schöner!

Auf die Idee, mich mit Slowflyern zu beschäftigen kam ich durch eine Firma, die da behauptete, das mit dem von ihnen entwickelte Modell würde mit den von ihnen ausgesuchten Komponenten (Empfänger, Servos, Fahrtenregler, Motor mit offenen Getriebe, Carbonluftschraube und ganz wichtig: der Akku) Flugzeiten von bis zu 2 Stunden erreichen. Der Punkt interessierte mich sehr. Mit einem kleinen Flugmodell, fast lautlos mit zwei zuvor geladenen separaten Akkupacks auf einem Sonntag morgen vor meiner eigenen Haustür insgesamt 4 Stunden fliegen zu können, fand ich unfassbar, ja geradezu unglaublich. Kurzentschlossen rief ich bei der Firma an, sprach mit der Inhaberin die Details durch und bestellte alle erforderlichen Komponenten plus dem kleinen Superflieger. Der Zusammenbau des Fliegers war recht einfach. Einige Teile waren schon vorgefertigt. Anfangsschwierigkeiten hatte ich mit dem Aufbringen der superdünnen Bespannfolie. Auch hier half ein kurzes Telefonat mit dem Hersteller und die Unklarheiten waren beseitigt. Nun, ich will es kurz machen: Dieses kleine Bienchen summt noch heute nach gut 250 Flugstunden in der Halle oder bei mir vor der Tür. Die längste Flugzeit mit einer Akkuladung belief sich im Non-Stop-Flug auf 2 Stunden und 8 Minuten. Natürlich stark gedrosselt und kein Kunstflug. Wie ist das möglich? Nun, ganz einfach: Der Motor ist ein Glockenankermotor kleinster Bauart. Die 3 Akkus sind die Lithium Mangan Zellen, bekannt unter dem Namen TADIRAN. Die drei TADIRAN Akkus wiegen zusammen nur 55 Gramm. Sie geben in Reihe verlötet eine Spannung von 10.3 Volt bei einer Kapazität von 800 mA. Der Motor verbrät bei voller Leistung ca. 890 mA, im gedrosselten Flug nur 360 mA. Dieses funktioniert nur mit mit dem offenen Getriebe, welches den besten Wirkunggrad hat. Mit mehr "Dampf" geflogen entwickelt sich diese kleine Biene, auch TEE BEE genannt und von der Firma WES-Technik vertrieben zu einem wahren Luftakrobat. Das Abfluggewicht dieses Fliegers beträgt ca. 130 Gramm.

Es versteht sich, dass man mit diesen Flugmodellen bei Windstille draußen oder aber in einer Halle fliegt.

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