Á s a t r u

 Asatru – allein schon im Wort kommt die Silbe ASA vor – welches Bedeutung genug sein könnte, ist es aber nicht, denn Ihr lest gerade begierig diese Zeilen um mehr zu erfahren, oder? Aber „mehr“ über was eigentlich? Dies sind keine Zeilen für die sog. „Fortgeschrittenen“, die „Eingeweihten“ und die, welche meinen zu wissen, es aber nicht tun, doch Denkanstöße gibt es immer und ausgelernt hat man ja bekanntlich nie... Dies ist ebenso kein objektiver Artikel über „Asatru“, denn den kann es nicht geben, denn Asatru ist zu vielschichtig. Diese Zeilen sind für Euch, für Dich der du gerade liest um informiert zu werden, oder einfach um Dir die Zeit zu vertreiben (mal ausnahmsweise mit etwas Nützlichem, ist es nicht so?).

  Asatru, Asatruar, Asatruarmen – unter diesem "nordisch" geprägten Wortstamm, welcher wiederum aus dem ursprünglich Dänischen kommt (Asetro) und allg. übersetzt „Glaube an die Asen“, „Asenglaube“ bedeutet, versteht man das Bekenntnis zu den Asen. Heute entspricht das Wort „Asatru“ einer etwas anderen Bedeutung, nämlich: „die, welche treu zu den Asen stehen“. Dahinter verstecken sich ganz besondere Heiden (hmmm. "Heiden", nehmen wir`s mal hin...), sagen wir eher, besondere Menschen mit einer sehr individuellen Lebensweise und Weltanschauung. Asentreue... was kann man sich darunter vorstellen? Wer oder was sind überhaupt die Asen? Und die Vanen wollen wir hier auch nicht vergessen und was ist eigentlich nun endlich Asatru?

Glaubt es mir, wenn ich euch berichte, das selbst Asatruars dies nie so genau wissen! Welch Geheimnis gilt es also zu entschlüsseln, welche Fragen gilt es zu stellen, doch welche Antworten will man hören?

Asatru ist eine Erdreligion mit romantisierten Quellen und sie genießt zumindestens auf Island (und seit neuestem auch in Australien!), den Status einer offiziell anerkannten Religion. Sveinbjorn Beinteinsson, Jahrg. 1924 (verstorben 1993) hat nach Jahren der Aufklärungsarbeit dieses kleine „Wunder“ in Zusammenarbeit mit der isländischen Regierung vollbracht. Doch welch ein Hohn ist es doch, nachdem eine frühere Regierung Islands alle heidnischen Bildwerke auf Island ins Meer stieß. Ja, dereinst tauchen sie wieder auf, Bildwerke und Asen... 

Die Asatrus verehren die Asen und Vanen, welche den sogenannten nordischen Götterhimmel bilden. Unter Ihnen sind so bekannte Figuren wie: Odin/Wotan, Thor/Donar, Freya, Tyr, Loki, Freyr, Njörd usw. Mann mag sich jetzt bitte die Asatruar jetzt nicht wie Hägar den Schrecklichen oder Erik den Wikinger vorstellen, welche an den Comic – Helden Thor ihr Gebet richten, nein, so ist es nun gar nicht! Auch was verehrt wird ist nicht immer klar zu erkennen. Von der Verehrung der Asen und Vanen als personifizierte Gottheiten über die Verehrung als emporgehobene (menschl.) Persönlichkeiten bis zur Verehrung der Natur und des Landes über die Asen/Vanen als Katalysator für das Land und die Natur selbst, reicht ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten. Odin/Wotan wird also nicht immer als Gott gesehen, er kann gemäß dem Euhemerismus sehr menschl. Züge aufweisen und dann eher als übergeordneter Ahne gesehen werden, dem man Verehrung entgegen bringt. Ebenso kann Odin/Wotan als reine Transformation für die Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen oder der Gruppe fungieren. Die Fokussierung von Energien über eine bestimmte Wesenheit oder eine Person ist allerdings leichter und effektiver. Somit wird ersichtlich, daß die Asatruar die „Götter“ nicht anbeten, sondern sie verehren. Sie stehen an Ihrer Seite im Kampf zwischen Licht und Dunkelheit & Leben und Tod. Asatru als Religion, welche keine jenseitige Wahrheit sucht, sondern den Menschen wieder mit der Natur und den diesseitigen Kräften verbinden will, hat also, wie man sehen kann, schon jetzt enorm viele Varianten aus sich selbst hervorgebracht. Asatru ist polytheistisch und dennoch, oder gerade deshalb keine Offenbarungsreligion, sondern eine Erfahrungsreligion. Alle Asatruar sind frei! Die Asatruar erfahren das Göttliche in sich und in der Natur auf ihre eigene, persönliche Art. Jeder Asatruar ist dazu aufgefordert sich selbst darüber Gedanken zu machen und nicht wie das Lamm zur Schlachtbank geführt zu werden. Asatruar empfangen nicht, sondern geben und erfahren selbst. Im Zentrum des Asatruar Weltbildes stehen nicht nur die „Götter“, sondern auch das Bewußtsein um den ewigen Zyklus des Lebens und der Natur (der Jahreskreis). Doch nicht nur der Zyklus steht im Bewußtsein der Asatrus, auch die Welteneibe Yggdrasil, der immergrüne Baum des Lebens, steht im ewigen Kontext mit den Asen und Vanen. Am Stamm der immergrünen Welteneibe Yggdrasil entscheidet sich das Schicksal der „Götter“ und Menschen, dort spinnen die Nornen (Urd, Werdandi & Skuld) das Netz des Schicksals.

Wenige sind berufen Knoten zu lösen, einige werden sie durchschneiden, viele verfangen sich im Schicksalsnetz, doch niemand entkommt ihm letztendlich.

Gut, gehen wir also davon aus das Asatru zwar einen Religionsstatus in einigen Ländern der Welt besitzt, doch im Grunde anders ist, als jede andere bekannte „heidnische“ Naturreligion. Große und gewichtige Asatru Gruppierungen gibt es auf Island und in der USA, ebenso in Deutschland, England und Österreich, jedoch haben auch andere Länder wie Norwegen und Schweden große Asatru Gruppen. Überall ist Asatru anders, wird es anders gelebt und anders empfunden! Nirgendwo findet sich Identisches, aber Vergleichbares schon. Asatrus haben sich in der ganzen Welt immer wieder zusammengeschlossen bzw. solche Versuche unternommen, ob im „Ásatrúarfélagið“, im „Ring of Troth“, der „Asatru Alliance“, im „Odinic Rite“, der „Asatru Folk Assembly“ oder diversen anderen Gruppierungen – die Kraft des Zusammenschlusses ist nicht erst seit Beinteinsson da, jedoch sind die Asatrus unter sich zerstritten und sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht grün. Vermehrte Uneinigkeit herrscht an vielen Fronten seit Beinteinssons Tod, denn gerne verbringen Asatrus ihre Zeit darüber zu diskutieren warum Person X kein Asatru sein könne, weil sie ja dies und jenes se, tue oder schreibe, wie vielleicht auch die Aussagen in diesem Artikel... Allerdings ist dies kein reines Asatru Problem. Neuheidnische Gruppen haben allgemein das Problem des übersteigerten Individualismus zu ertragen, damit meine ich, die meisten Mitglieder sind aus einer ganz besonderen Haltung gegenüber der Massenreligion  „Christentum“ und der Gesellschaft und Familie an sich, zum neuheidnischen Glauben übergetreten. Dieser Grundstamm rekrutiert sich also aus puren Individualisten und Lebenskünstlern sowie Menschen mit einer ganz außergewöhnlichen charakterlichen Einstellung und stellt somit keinen Normalbürger dar. Dies ist einesteils positiv, da durch solche Personen starke Gestaltungskräfte freigesetzt werden, andernteils bewirkt eine Häufung solcher Personen einen Stockungseffekt – der Katalysator blockiert sich sozusagen selbst.

Dir, geneigter Leser dieser Zeilen, der du vielleicht auf der Suche bist nach deinen eigenen Wurzeln und nicht nach den Wurzeln fremder Kulturen und Völker hier ein guter Kodex, wie sich ein Asatru verhalten sollte: welche Eigenschaften sollte ein Asatruar haben bzw. was könnte man von Ihm erwarten? Die folgende Liste von Punkten ist sicherlich erst neueren Ursprungs, sie stellt also keine alte Überlieferung dar. Jedoch ist es schön, wenn sich gerade Asatrus versuchen sich  daran zu halten:

v      Mut

v      Aufrichtigkeit & Wahrheitsliebe

v      Ehre

v      Treue

v      Gastfreundschaft u. Freigiebigkeit

v      Disziplin, vor allem Selbstdisziplin

v      Fleiß & Geschäftssinn

v      Selbstvertrauen

v      Durchhaltevermögen

Aus der germanischen Sagen wird kein Codex für ein adäquates Verhalten ersichtlich, zumindestens nicht direkt. Die Sagen vermitteln vielmehr eine Art Lebensgefühl, einen allgemeinen Anspruch – sie sind kein Korsett in das man sich hineinzwängt oder in das man hineingepresst wird.

Kommen wir doch nun des weiteren einmal zum Aussehen eines „echten“ Asatruars: denn wie sehen Asatrus eigentlich aus – vielleicht bist du ja schon äußerlich einer und weißt noch nichts von deinem Glück?

Der überwiegende Teil der Asatrus ist männlich, dennoch gibt es auch Asatruar-Frauen.

 

In Puncto Kleidung tragen Asatru`s zumeist Schwarz- oder Brauntöne.

 

Die meisten haben eine wilde Haarpracht.

 

Viele sind Bartträger.

 

Manche Asatru`s haben eine gut gebaute Statur.

 

 Alle tragen den Thorshammer.

 

 Einige besitzen ein Messer (eher männlich).

 

 Manche haben ein Schwert dabei (ein beliebtes Frauen-Insignum).

 

 Alle lachen sehr gerne.

 

 Andere trinken Unmengen von Bier...

 

 Wenige waschen sich nicht jeden Tag.

Habt ihr jetzt einen Schreck gekriegt oder findet Ihr diese Aufzählung von Äußerlichkeiten sogar reizvoll? Ich werde sie selbstverständlich erklären, da die Liste mir nach 95% aller Agitatoren eines Mittelalterspektakels aussieht. Das ist ja ganz nett, ist das aber Asatru? Asatru ist immerhin mehr als nur Äußerlichkeiten, oder doch nicht?  

Zugegebenermaßen ist Asatru eine von Männern dominierte Gemeinschaft – dies hängt wohl nicht zuletzt mit den verehrten, zumeist männlichen „Göttern“ zusammen. Asatru ist mehr patriarchalisch (ich hoffe ich tue Freya jetzt nicht unrecht...) und teils brachialisch (z.B. Landnahmeritual) orientiert.  Darüber hinaus ist Asatru mit dem Insignum Thorshammer, dem Schwert/Messer, den Begriffen wie Kraft, Ehre und Treue sowie der Liebe und dem Kampf um Land und Boden mehr eine Männerdomäne. Doch die Quelle aller Macht, insbesondere der Magie, ist doch weiblichen Ursprungs, sie hat nur durch patrialialische Strukturen und Wandlungen bei der Übertragung auf die männliche Seite eine Wandlung erfahren. Ihr seht schon, es ist schwierig Asatru zu fassen und gleichzeitig nicht irgendeinem Ferkel auf den Ringelschwanz zu treten.

Ich habe in einer „Mailingliste“ diese oben genannten Punkte zur Diskussion gestellt. Starker Zuspruch bis knappe Ablehnung kamen dabei raus. An und für sich war das klar, den Asatru ist nicht Asatru! Im Punkt eins waren sich fast alle einig, ja, es gibt mehr Männer als Frauen. Im Punkt zwei kamen schon Abweichungen zu Tage, obwohl die überwiegende Mehrheit wohl gerne zu Schwarztönen neigt, gibt auch Asatrus die gerne grüne, blaue oder rote Kleidung tragen. Eine wilde Haarpracht nennen zwar einige ihr eigen, dennoch gibt es viele Asatrus mit sehr kurzem Haar bis zu gar keinem Haar (aus naturgegebenen Gründen...), soviel zu Punkt drei. Im vierten Kriterium verhält es sich so ähnlich wie mit der wilden Haarpracht – wer es mag, der hat einen. Der fünfte Punkt resultiert sicher nicht aus den allgemeinen Eigenschaften eines Asatruar, dennoch gibt es wohl auch kleinere Varianten unter den Asatruars. Der Thorshammer im Punkt sechs ist so eine Sache – geht über einen Mittelaltermarkt oder ein Burgfest, ihr seht eine wahre Schwemme von Thorshämmern, die meisten übrigens sehr miserabel gearbeitet. Nicht jeder Träger eines Thorshammers ist ein Asatru, doch ein Asatru ohne Thorshammer ist eher unwahrscheinlich. Gerne tauchen bei Asatrus aber auch noch Abbildungen wie ein Schwein/Eber oder das wohlbekannte Pentagramm auf, der Thorshammer ist allerdings als Zusatzzeichen fast unverzichtbar. Das Messer des Punktes sieben ist ebenfalls nicht unbedingt von Nöten, jedoch hat sich bei einigen mittlerweile das „Multitool“ durchgesetzt, dies läßt sich aber nicht auf die große Gruppe aller Asatrus abbilden. Das Schwert ist zwar beliebtes Insignum Nummer acht, jedoch hat noch lange nicht jeder Asatru eines davon zu Hause. Punkt neun erfreut sich 100prozentiger Zustimmung bei allen, da sich ein mauliger Asatru auch gar nicht vorstellen läßt. Punkt zehn ist eher heikel, schließlich sind Asatrus  keine Alkoholiker, dennoch wird gerne mal das eine oder andere Bier in guter Runde getrunken. Allerdings fehlt hier der Met, welcher bei vielen Zeremonien und im Privatverzehr eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielt! Als letzter Punkt gilt das waschen des Körpers, ist aber nicht absichtlich ans Ende der Aufzählung gerückt – mir bekannte Asatruar stinken jedenfalls nicht 10 m. gegen den Wind.

Heutzutage ist es ohnehin vom Beruf abhängig wie man auftritt. Deswegen gibt es ohne weiteres auch Asatrus mit Anzug und Aktenkoffer. Wie sie sich allerdings privat geben ist jedem selbst überlassen, wer schlüpft schon nicht gerne in etwas bequemeres, wenn er gestreßt von der Arbeit nach Hause kommt. All dies bedeutet letztendlich, daß es kein einheitliches Bild eines Asatruars gibt, da viel zu viele Umstände bei jedem einzelnen dazu führen, daß er von der „Norm“ abweicht. Während bestimmter Zeremonien kann es allerdings sein, daß Asatrus sehr einheitlich auftreten, zumindestens in der entsprechenden Gruppe. Wer weiß was so alles zum Vorschein käme, wenn man einmal von diversen Personen verlangen würden, daß sie sich ihrer Kleidung entledigen sollen. So manch versteckter Thorshammer oder auch anderes Symbol käme wohl zum Vorschein...

Es gibt natürlich auch noch bestimmte Verhaltensregeln (hier: vom Ásatrúarfélagið) zu denen sich viele Asatruars bekennen, unter diesen sind zum Beispiel:

 Die Verehrung von mehreren „Göttern“ oder mächtigen Wesenheiten ist gestattet.

 Jeder Asatruar trägt für sich selbst die volle Verantwortung für sein tun und handeln.

 Den „Göttern“ oder mächtigen Wesenheiten dürfen Statuen und Bildnisse geweiht werden, doch besteht keine Pflicht diese anzubeten.

 Heilige „Götter“ und andere heilige Wesenheiten dürfen nicht der Geringschätzung anheimfallen.

 Es ist erlaubt, sein Wissen um die „Götter“ und die heiligen Bräuche zu verbreiten, doch wird organisiertes Missionieren als unnötig und teilweise sogar verwerflich betrachtet.

 Es ist selbstverständlich erlaubt andere Glaubensgemeinschaften zu besuchen und christl. Kirchen zu betreten.

 Asatruars üben ihren Verehrung auf eine Weise aus, die nicht mit dem Staat, indem der jeweilige Asatruar lebt, in Konflikt steht.

 Der Godhi/Gode (Hohepriester, 1. Sprecher der Vereinigung/Gruppe) bietet seine Dienste seinen Asatruars an (z.B. bei Hochzeitszeremonien / Namensgebungen / Krankheiten / Tod).

  Der wohl interessanteste Bereich der Asatrus sind die Magiepraktiken bzw. die magischen Rituale. Hier muß aber definitiv gesagt werden, daß unter den Germanen und den anderen Stämmen im nordischen Raum die Magie eher eine untergeordnete Rolle spielte und bei weitem nicht den Stellenwert hatte, welche ihm heutzutage Asatruars beimessen. Heute gibt es nur wenige Asatruar, welche sich nicht mit Magie befassen, dies war früher eben anders. Bei der Nutzung von Magie stehen die Runen als ältestes Wirkungsmittel in Europa an erster Stelle. Die Runen sind die ältesten bekannten Schriftzeichen/Zauberzeichen in Europa – ihr Beginn verliert sich im Dunkel der Vor- und Frühgeschichte. Lt. romantisierten Quellen empfing Odin in einer Vision, als er 3 Tage an der Welteneibe Yggdrasil hing, von einem Ger (Speer) verwundet, die Runen als Heils- und Zauberzeichen. Das 24er altgermanische Furthark umfaßt den kompletten Runensatz beginnend mit : FEHU, über HAGALAZ, bis OTHALA... Die Namen der Runen können aber je nach Grundlage und Kulturkreis auch anders lauten, so z. B. FEU, HAGAL und ODAL. Gerne werden die Runen, wie von mir selbst auch, zur Zukunftsschau benutzt. Der Blick in die Zukunft mittels Hilfe der Runen gestaltet sich zwar kompliziert und bedarf eines wachen Verstandes, ist jedoch bei korrekter Anwendung sehr detaiert und genau. Selbstverständlich lassen sich mit Hilfe der Runen auch Zauber weben, indem man einzelne oder mehrere Runenkräfte gebündelt aktiviert und lenkt. Bei den Runen gibt es kein „Schwarz“ und kein „Weiß“, die Runen haben zwar bestimmte Bedeutungen, doch lassen sich ihre Kräfte „beliebig“ einsetzen - die Runenkraft ist bis auf ein paar Ausnahmen normalerweise neutral. Für solche unter euch die gerne einen dunklen oder roten Zauber weben wollen, kann euch die Runenkraft zwar helfen zum Erfolg zu gelangen, doch akzeptiert bitte die Konsequenzen aus eurem Handeln, da es grundsätzlich einen Rücklauf gibt, denn alles ist miteinander verwoben, alles bedingt einander.

Die Runen zu positiven Zwecken uneigennützig einzusetzen ist der edelste Aspekt eines Handelns unter Asatruar, jedoch ist es für Menschen schon immer schwierig gewesen genau zu erfassen, was tatsächlich positiv ist... Es gibt ebenfalls noch weitergehende magische Bereiche wie: Seidr und Galdr, für mich ist jedoch Asatru mehr Lebensgefühl und Freiheit, deshalb reicht mir die Runenkraft an sich. Wäre die Welt voller Merlins, wer wäre noch gerne in ihr? Doch bevor eure Nachfrage kommt: unter „Seidr“ verstehen Asatrus magische Rituale in denen sie Harze, Wurzeln und Kräuter sieden. Es geht in Richtung des euch sicherlich besser bekannten Räucherwerks, worin hier (bei Seidr) aber mehr der Aspekt des Rituals selbst im Zentrum steht. Manches mal ist der aufsteigende Rauch eben mehr als man denkt. Es ist mehr in ihm und mehr um ihn... „Galdr“ ist im Grunde genommen eine Kunst an sich und ist wunderbar, denn Wortmagie zu beherrschen ist äußerst schwierig. „Seidr“ benutzt also Worte/Wortbedeutungen selbst bzw. deren metaphysische Eigenschaften in einer Anrufung und fokussiert dann auf den gewünschten Punkt.

  Rituale mittels des Thorshammers lassen sich grundsätzlich überall abhalten, da haben es die Asatruars gegenüber den anderen Naturreligionen und „heidnischen“ Gruppen schon wesentlich einfacher. Die Rituale „Blót“ und „Sumbel“ stellen die ritualisierte Form des Verzichts auf einen Teil der Speisen/Getränke und Waren dar. Ein Teil der Speisen oder Getränke wird mittels eines Rituals einer kleinen/mittleren oder großen Wesenheit überantwortet und dient zur Stimulierung des allgemeinen und auch des persönlichen Umfelds. Dies kann alleine oder auch in einer Gruppe zelebriert werden. Blót (Opferzeremonie für Speisen und Getränke) stellt dabei die kleinere, Sumbel (mit Trinksprüchen zu Ehren der Götter) die größere Zeremonie dar. Sicherlich, es könnte noch mehr zu den Riten Blòt und Sumbel gesagt werden, doch wo anfangen und wo aufhören...

Von einem Asatru erwartet man im allgemeinen bestimmte Kenntnisse, so zum Beispiel die Runenkunde, Wissen über die Jahresfeste und nicht zuletzt eine gute Bildung in Bezug auf die nordische Mythologie und Götterkunde. Ihr müßt allerdings nicht jeden alten Text kennen und auch wenn es bei vielen vorkommt, braucht ihr kein Studium der altnordischen Sprachen zu absolvieren. Asatru ist kein Hochschulstudium, auch wenn der Bildungsgrad der meisten Asatruars in dieser Hinsicht hoch liegt. Asatru steht grundsätzlich jedem Menschen offen der sein nordisches Erbe in sich erkannt hat und diesen Weg weitergehen will.

Und damit sind wir nun auch schon bei den Festen der Asatruars. Asatruars feiern nämlich gerne, das müßt ihr wissen! Im Grunde genommen haben Asatrus nur 4 Feste von denen jeweils zwei sich ähnlich sind. Das erste, ist der Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr (21.03.), wo man der auflebenden und lebensspendenden Natur seine Referenz erweist, daß zweite ist die Sommersonnenwende (21.06.), wo die Sonne ihren höchsten Stand im Jahr erreicht und die Nacht am kürzesten ist. Ein freudvolles Fest, welches aber bereits mahnend den Finger hebt, denn die Tage werden von nun an wieder kürzer. Der Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche im Herbst, Hausblòt (21.09.), stellt das dritte Fest dar und gilt als Dankfest an die Ernte, ein Erntefest sozusagen. Die Wintersonnenwende, einigen bekannt als Julfest  (21.12.) mit den 12 Rauhnächten, welche ihr folgen, ist der Abschluß des Jahres. Gerne werden von vielen Asatruars noch einige keltische Feuerfeste wie: Samhain (01.11.), Imbolc (01/02.02.), Beltaine (01.05.) und Lughnasad (01.08.) dazu genommen. Dies sind mehr lunare Feste, da sie sich am Mondlauf orientieren. Die keltischen Daten sind jedoch nur Richtdaten, da die Feste immer zu Vollmond stattfinden. Die unterschiedlichen Asatru Gruppierungen und vereinzelten Asatrus sehen die ritualisierten Feste und deren Termine jedoch teilweise unterschiedlich. So kann es ohne weiteres sein, das man sich in einer neuen Gruppierung einem veränderten Ritus oder einem anderen Termin für ein bestimmtes Blót gegenüber sieht, manches mal kommt sogar noch etwas hinzu bzw. wird etwas weggelassen. Die hier von mir verwendeten 4 Termine sind jedoch so stark an die Natur und ihrem Zyklus angelehnt, das sie für jedermann nachvollziehbar sind und sogar ohne eine Uhr oder einen Terminkalender an der Natur ablesbar/erkennbar sein dürften. Letztendlich gilt doch für alle nur eines, die Asen/Vanen zu ehren und die Natur zu respektieren, ob konservativ oder progressiv...

Damit kommen wir letztlich zur Zukunft von Asatru. Asatru ist schließlich keine Muffreligion, auch wenn dies manchmal den Anschein bietet. Asatru besteht auch nicht nur aus dem Studium alter Texte und alter bzw. nordischer Sprachen und schon gar nicht aus einem Haufen alter bärtiger Magier, welche wie Catweezel, Gandalf oder Merlin aussehen. Nicht zuletzt das Internet zeigt euch, daß sich hier viele Asatruars präsentieren und ihre Meinungen und Überzeugungen kundtun. Nehmt euch eine Suchmaschine wie: „Alta Vista“, „Yahoo“ oder „Fireball“, und reist durch das Netz. Ihr glaubt nicht was man da so alles findet... Asatru hat viele verschiedene Spielarten hervorgebracht und ein Asatruar amerikanischer Prägung ist nicht mit einem Asatruar deutscher Prägung zu vergleichen. Selbst in Deutschland gibt es bereits ein gewaltiges Spektrum von Asatru - Auffassungen. Zwischen all diesen Braun- und Schwarztönen, zwischen langen und kurzen Haaren, zwischen stämmigen und pyknischen Asatrus gibt es zuletzt sogar noch ein paar Paradiesvögel, welche sich ebenfalls als Asatruars fühlen. Wer gut sucht, findet im Internet eine, für meinen Geschmack, eine etwas farblich übersteuerte Seite - jedoch: "jedem das Seine"... Ihr seht also, da ist mehr als man auf den ersten Blick sieht und noch viel mehr wenn man sich anstrengt. All dies ist nicht einfach Asatru, gegen so eine Aussage würde selbst ich mich wehren, doch anscheinend finden unter dem Namen Àsatru viele Menschen Platz, mehr Menschen und mehr unterschiedlichste Gruppierungen als man sich es vorstellen könnte. Dem Suchenden gibt also Asatru immer irgendwo eine Nische, mal eine kleinere, mal eine größere, jedoch immer einen Platz zum Leben. Aus Freude am Leben und der Natur – Asatru!

Den „Göttern“ ein Heil... wo wir gerade bei der Zukunft von Asatru sind, können wir ebenso einen Blick in die Vergangenheit von Asatru werfen. Die Vergangenheit ist nicht änderbar, zumindestens nicht für uns. Das die Naturreligionen dem Christentum letztendlich unterlagen, ist sicherlich bedauerlich und so manchem Mitglied eines Kindreds (Zusammenschluß mehrerer Asatrus) schäumt dabei nicht selten die Wut über, doch es muß akzeptiert werden, denn so ist es gewollt und so ist es gekommen. Das Christentum war damals nur eine kleine Sekte und die Naturreligionen waren groß, nun ist es umgekehrt. Ob das Christentum bei seinem Glaubensfeldzügen unfaire oder sogar hinterhältige Mittel angewandt hat oder nicht, ist letztendlich egal – es hat fast weltweit gesiegt. So entspricht das Christentum wohl am ehesten dem, was die Menschen tatsächlich wollen?! Nein, sicherlich nicht, doch es entspricht am ehesten dem einfachen Weg zum vermeintlichen Ziel, denn es beruhigt die Menschen und verschiebt die Probleme und Belohnungen geschickt auf eine Zeit, welche nach dem Tode kommen mag. Man könnte nun gegeneinander aufrechnen, all die Ungerechtigkeiten, das Abschlachten, die Ränke, der Zorn und die Lügen – doch was bringt es? Das Christentum fälscht jedes Jahr aufs neue seine Quellen durch Bibelüberarbeitungen und dem Weglassen von ganzen Passagen und Abschnitte, welche nicht kirchenkonform sind (siehe z. B. 1. & 2. vatikanisches Konzil) und die Naturreligionen stehen entweder auf dem „ich liebe die ganze Welt“ - Standpunkt oder grummeln und grübeln vor sich hin. Dadurch vergessen aber beide das eigentliche Ziel, sie verlieren durch Debattieren, Kontrollieren, Diskutieren und Nihilieren den Sinn für das wahre Ziel. Dies ist ebenfalls bedauerlich, doch auch hier ist es gewollt – 

jeder bekommt das, was ihm zusteht...

  Da haben wir es nun, eine Menge Informationen für euch und ihr seit immer noch nicht schlau daraus geworden, oder etwa doch? Asatru ist ein langer Weg der nicht immer zum Ziel führt, gerne wird auch ein Umweg in Kauf genommen. Eines bedenkt bitte, solltet ihr euch für Asatru näher interessieren, seht euch das Angebot genau an und durchleuchtet es gut. Bei Asatru gibt es viele Spielarten und viele unterschiedliche Auffassungen wie man zu Ziel kommt, bei einigen ist auch der Weg das Ziel. Wichtig ist letztendlich nur eines, die Zeit auf Erden gut genutzt zu haben und sich selbst und der Natur bewußt geworden zu sein (und vergeßt nicht den Heidenspaß...).

  Ewiges Asatru, alles Leben liebst du!

Ewiges Asatru, atmest in allem!

Ewiges Asatru, Ehre und Mut deiner Sippe!

Ewiges Asatru, lieblich tief!

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