Das Wolfsorakel

 

 

Dies ist der Anfang...

 

mit dem schlafenden Wolf wird alles beginnen...

 

ich bin der Erste - mir folgt der Eine, der - welcher alles weiß...

 

der Eine, welcher keine Angst kennt...

 

der Eine, welcher die richtigen Fragen zu stellen weiß...

 

der Eine, welcher wach träumt...

 

 

In den Träumen spreche ich zu den Menschen,

in ihren Träumen erreiche ich ihr Herz,

in ihren Träumen offenbare ich ihnen die Zukunft,

in ihren Träumen zeige ich ihnen ihr Schicksal,

in ihren Träumen wird wahr - was ich erdacht...

 

 

Der erste Traum

 

Ich sah eine Heimstatt der Menschen, groß und gewaltig,

und ich sah Menschen, viele Menschen und es ging ihnen gut,

und ich sah eine Welle, eine große Welle, eine Edbebenwelle.

Die riß alles fort und die Erde hob und senkte sich

und plötzlich sackte alles in sich zusammen und die Häuser,

die Menschen und alles andere auf Erden viel in eine Tiefe,

eine bodenlose Tiefe und die Erde war wuest und leer,

ein Trümmerhaufen, ein Grab, kalt und staubig.

Niemand entkam diesem Chaos bis auf den Einen,

dessen Augen geschlossen sind und doch ist er wach...

 

 

Der zweite Traum

 

Ich sah einen Mächtigen von einst, einen Redner, einen Dämon,

ich sah ihn stehen im Wald und er redete mit gewaltiger Stimme,

ich sah ihn stehen und reden, doch niemand hörte ihn,

niemand sah ihn und er war allein.

Ich sah den Mächtigen stehen auf einem Baumstumpf,

auf dem Stumpf einer Eiche, einer mächtigen Eiche

und  im Stumpf waren Runen eingegraben,

mächtige Zeichen, alte Zeichen, Runenmacht!

Ich sah den Mächtigen dort stehen und reden

und sein eigen Blut floß auf den Stumpf der Eiche

und als der Stumpf bedeckt war mit dem Blut, verschwand er.

Doch dort wo er eben noch gewesen war, floss alles ueber vor Licht,

eine Macht war hier - am Stumpf des Baumes

gewaltig und unnahbar,

reines Licht und übervolle Kraft - wunderbar...

 

 

Der dritte Traum

 

Ich sah ein Kind geboren werden -

mit einem goldenen und einem blauen Auge.

Ich sah es aufwachsen im Herzen einer großen Stadt,

mit Macht ausgestattet die Zeit zu dehnen.

Ich sah das Kind aufwachsen ohne Angst,

doch man trachtet ihm nach dem Leben.

Ich sah die Macht des Kindes - zu krümmen den Raum,

zu verändern was unveränderbar scheint.

Ich sah die Zeit die kommt,

um dem, der nun geboren - Platz zu geben.

Ich sah die Kräfte rebellieren in Zorn und Haß,

doch war, ist und wird seine Kraft grenzenlos sein.

Ich sah den der mir folgt -

Mit ihm kommt die Veränderung,

mit ihm erhebt sich die Welt,

mit ihm allein durchschreitest Du das Tor.

 

 

Der vierte Traum

 

Einen Berg sah ich - einen Berg am Rande einer Stadt.

Bewohnt war er in alter Zeit durch eine Macht,

doch diese Macht war vertrieben und zerstört.

Nun ersteht diese Macht wieder in neuem Glanz,

nimmt Besitz von diesem alten Berg  und wohnt wieder dort.

Ich sehe eine Frau - sie ist die Trägerin dereinst und heute,

denn in Ihr selbst ist die Macht verborgen.

Nur wer gute Augen hat, sieht tief in Ihr den Brunnen.

Bedrohlich für die Einen, lieblich für die Anderen,

gräßlich für jene, aufopfernd für welch` auch immer...

Die Zeit ist reif, das Heim bereitet,

die Aussicht wie in alter Zeit.

Sie kommt schnell herbei,

sie ist schon nah,

fast ist Sie da,

spürbar

nah

*

 

 

Der fünfte Traum

 

Ich sah einen Wolf sitzen auf einem Thron,

der Thron war ein gebrochener Altarstein -

und eine Wasserquelle schoß zu beiden Seiten hervor.

Der Ort war eine ehemalige Kirche,

und das Wasser floß wie ein Fluß aus ihr heraus.

Bäume wuchsen in der Kirche,

und es war wie ein kleiner Wald in ihr.

Doch vor dem Wolf war die Erde aufgerissen,

und Flammen und Glut schienen herauf.

Teile des Wassers zerstoben hier zu Dampf,

und es schien als wäre das Leben allgegenwärtig.

Doch der Wolf sprach kein Wort,

denn war er mehr als nur Wolf,

war mehr als er schien,

war König,

war ER.

 

 

Der sechste Traum

 

Ich sah ein Haus am Waldesrand,

bewohnt von uralter Macht und Kraft.

Ich sah weiße Lilien dort wachsen und gedeihn,

und alte Bäume rings umher.

Ich sah einen Fluß in der Nähe des Hauses,

kraftvoll und rein war des Wassers Macht hier.

Ich sah den Bewohner des Hauses,

sah ihn auf seinem Land.

Älter als man denkt ist er - war er - wird er sein,

er ist Quintessenz und Schicksal.

Ich sprach zu ihm und fragte nach vielen Dingen,

doch die Antworten waren anders als erwartet.

Die Realität ist eine Auffassungsfrage,

ist eine Interpretation einer Möglichkeit.

Ich sehe viele Wege - mögliche - wahrscheinliche -

schreckliche - schöne - ausweglose - wunderbare -

grausame - häßliche - einfache - komplizierte -

. . .

 

 

Der siebte Traum

 

Ich fühle eine Macht heraufsteigen,

eine alte Macht - sehr alt - sehr zielgerichtet.

Ich sehe es , ich weiß was sie will,

einem Stahlband gleich - legt es sich um den Hals.

schrecklich schön - wie der Morgen,

grausam und samten - wie die Nacht.

Ich sehe ein Kind - es spielt,

es ist nur ein Spiel, doch grausam verkehrt.

Der Brunnen versiegt,

achte darauf wem der Brunnen gehört!

Das Licht nimmt ab,

achte darauf wem das Licht gehört!

Das Korn wächst nicht,

achte darauf wem das Korn gehört!

Dein Haus ist schadhaft,

achte darauf wem das Haus gehört!

Dein Leben verrinnt,

achte darauf wem Dein Leben gehört!

 

 

Fürchte mich, denn wenn die Augen ich öffne

wird alles offenbar - den ich bin das Orakel

und meine Gedanken sind so stark wie Spinnenweben

du entkommst ihnen nicht...

 

 

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